Musikkapelle Pfunders

Pfunderer Ströhuit

Unter widrigen Umständen machten sich Ende der 1940-Jahre einige Pfunderer allen voran Jakob Gasser (Porscht Joggl) verdient, die Voraussetzungen für die Gründung einer Musikkapelle in Pfunders geschaffen zu haben. In mühevoller Arbeit wurde von Waldinteressentschaften und Bauern kostenlos überlassenes Holz gefällt und mit Ross und Schlitten ins Dorf gebracht. Mehrere Bauern stellten auch ihre Knechte unentgeltlich zur Verfügung. Mit dem Erlös von 385000 Lire (ca. 60 m3 Holz) wurden 28 Instrumente finanziert. (Heute reicht der Erlös aus 60 m3 Holz gerade für einen Bass oder zwei Flügelhörner!)
Nachdem man einen Kapellmeister und ein provisorisches Probelokal gefunden hatte, konnte die Musikkapelle im schicksalhaften Jahr 1951 (Lawinenabgänge) ihre Tätigkeit aufnehmen. 32 Musikanten zählte die neu gegründete Kapelle. Für die Tracht musste jeder Musikant selbst aufkommen.
1952 trat die Musikkapelle Pfunders erstmals auf. 1954/1955 spielte sie zum ersten Mal auswärts: In Brixen, Bruneck, Sterzing und Meran gaben die Musikanten ihr Bestes. Die Musikkapelle mit der eigenwilligen Kopfbedeckung (Strohhüte aus Pfunders) wurde schnell bekannt und vielfach genannt.
Der erste Kapellmeister war Willi Mayr aus Brixen. 1953 übernahmen Florian Leitner und Josef Weissteiner die Leitung.
Mit dem Beginn des "Pfunderer Prozesses" 1956 (nach einer Rauferei mit Finanzern und dem tragischen Tod eines Finanzers im "Roana-Bachl" werden viele junge Pfunderer-Buibn verhaftet) brach auch für die Musikkapelle in Pfunders eine schwierige Zeit an. Acht junge Musikanten befanden sich unter den Inhaftierten. In dieser Zeit übernahm der Lehrer Albin Oberhofer die Musikkapelle als Kapellmeister. Er setzte sich mit viel Idealismus für die Ausbildung junger talentierter Burschen ein.
Von 1966 bis 1972 stand Hermann Weissteiner der Musikkapelle als Obmann vor. Die neue Tracht wurde angekauft, das erste Sommerfest organisiert und ein Probelokal beim Pfarrsaal eingerichtet. Die Siegsdorfer Musikanten waren mehrfach zu Gast in Pfunders und die Pfunderer ließen es sich nicht nehmen, die Partnerkapelle in Bayern aufzusuchen.
Im Jahre 1974 feierten Pater Severin Leitner und 1978 Pater Andreas Huber ihre Primizen in Pfunders. Die Musikkapelle umrahmte beide Festakte. Obmann war damals Franz Huber (Tondl Franz). Festkonzerte wurden in dieser Zeit insbesondere im Unterland gegeben. 1978 übernahm Konrad Volgger den Vorsitz und blieb bis 1980 Obmann der Musikkapelle.
Technik und Wirtschaft veränderten das Leben im Dorf in den letzten 40 Jahren so rasch und einschneidend, dass die Mitglieder von kulturellen Vereinen sich plötzlich mit Alternativen für Freizeit und Unterhaltung auseinandersetzen mussten. Die Verantwortlichen des Vereins mussten sich den neuen Erfordernissen stellen: Es wurde nämlich immer schwieriger, junge Leute zu finden, die eine Ausbildung als Musikant auf sich nahmen, auf die üppigen Freizeitangebote verzichteten, an der unangenehmen Probenarbeit teilnahmen und gerade die Wochenenden für den Verein freihielten. Diese Befürchtungen sind allerdings nicht eingetreten. Eltern und Kinder hatten Freude an der musikalischen Ausbildung, zumal sie die Musikschule in Vintl besuchen konnten. Gerade in den letzten zehn Jahren konnte die Musikkapelle viele junge Mädchen und Buben zum Mitmachen bewegen.
In den letzten zwanzig Jahren wurden übrigens auch die Arbeitsvoraussetzungen für gutes Proben und Musizieren geschaffen. Am Beginn der achtziger Jahre erwarb die Gemeinde Vintl von Anton Huber ein Grundstück. Auf diesem wurde das neue Probelokal der Musikkapelle Pfunders errichtet, darüber der Musikpavillon. Vor dem Musikpavillon liegt der Festplatz: Es ist dem Architekten Dr. Walter Isara ein harmonisches Ensemble gelungen, das den dörflichen Charakter und die bäuerliche Bauweise gut widerspiegelt.
Die Musikkapelle von Pfunders pflegte und pflegt mit der Gemeindeverwaltung von Siegsdorf eine grenzüberschreitende Freundschaft. Die Musikkapelle von Vogling/Siegsdorf und auch die Jugendkapelle Siegsdorf sind bei besonderen Festanlässen immer bereit, die Pfunderer Dorffeste zu verschönern. Auch aus diesem Grund hat der Gemeinderat von Vintl dem Festplatz in Pfunders den Namen "Siegsdorferplatz" gegeben. Der Siegsdorferplatz und der Musikpavillon konnten mit einem Festakt am 3. August 1986 eingeweiht werden.

Auszug aus der Chronik seit 1980

1980
Paul Gasser, der Chronist, schreibt: "Die Krise schlägt voll zu, 16 Musikanten bilden die Musikkapelle Pfunders, aber sie spielen tapfer weiter."

1983
29. Mai: Beim Bezirksmusikfest erspielt die Musikkapelle eine ersten Rang.
24. Juli: Fahnenweihe. Die Musikkapelle Pfunders hat keine eigene Fahnenpatin, ihre Patin" ist die Dorfgemeinschaft.

1984
15. August: Hauptfeier anlässlich des Tiroler Gedenkjahres, Einzug der Vereine von der "Rainer"-Brücke.Herbst: Die Musikkapelle wechselt vom Bezirk Brixen zum Bezirk Pustertal.

1986
2./3. August: Einweihung des Siegsdorferplatzes mit dem Musikpavillon.

1988
22./23. Mai: In der Nacht verunglückt der Musikkamerad Josef Ebner auf der Talstraße beim "Schwarzbrunn".
6. November: Segnung des neuen Probelokals.

1989
28. August: Abschied von Pfarrer Hochw. Herrn Paul Neumair.
1. September: Einstand von Pfarrer P. Albin Peskoller OFMcap.

1990
5./6. August: 40-Jahr-Feier der Musikkapelle Pfunders. Aus diesem Anlass erscheint eine Broschüre, die die Chronik der Musikkapelle und des Dorfes (Lawinenunglücke) ausführlich behandelt. Sie wurde von Toni Weissteiner ( vom Dorfer") zusammengestellt.

1991
16. August: Erstes Treffen der Pfunderer aus nah und fern.

1992
1./2. Oktober: Fahrt nach Siegsdorf zur Feier "30 Jahre Freundschaft" zwischen Siegsdorf und Pfunders.1994Mitgestaltung der Feiern "1000 Jahre Vintl" bei verschiedenen Anlässen im Dorf und im Hauptort der Gemeinde.

1995
6. Jänner: Vier junge Pfunderer verunglücken in der Nähe der Schmansner Brücke, davon zwei Musikkameraden: Armin Weissteiner (Hofer) und Ebner Ewald (Jägerheim).

1996
10./11. Mai: Gemeinsames Frühjahrskonzert mit der Musikkapelle Vogling/Siegsdorf in Siegsdorf.

1998
1./2. August: Treffen von Böhmischen Besetzungen von Musikkapellen anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der "Böhmischen der Musikkapelle Pfunders".

1999
19. Februar: Der junge Musikant Stefan Leitner verunglückt tödlich beim Schilaufen auf dem Gitschberg.2000Konzert im Innsbrucker Hofgarten.

2001
9./10. Juni: 50-jähriges Gründungsjubiläum der Musikkapelle.

2002
25./26. April: Aufnahmen für die CD "Gruß der Herimat". Die CD enthält unter anderem:
Unter dem Grillenbanner Marsch W. Lindemann
Kosakenritt Konzert-Marsch Franz Watz
Meine Königin Ouvertüre Emil tolc
Das Abzeichen Marsch Musik: Stefan Marinoff; Arr.: Siegfried Rundel
Zimmermann-Polka Solo für Tenorhorn und Bariton Musik: Antonin Zvacek Bearbeitung: Paul Schestag
Europa Marsch Musik: Vaclav Va ká Bearbeitung: Walter Tuschla Feodora
Ouverture P. Tschaikovsky Arr.: S. Suchy
Jubelfestmarsch Josef Zoller
Brinpolka Musik: Karel Hulak Arr.: Franz Kühnel
Auf tirolerischen Almen Melodienfolge Sepp Thaler
Gruß der Heimat Konzertmarsch Hans Freivogel
Posaunen-Express Marsch-Dixie Walter Tuschla

Graf Zeppelin-Marsch Carl Teike

Obmänner und Kapellmeister

1981-1989 Obmann Anton Weissteiner, Dorfer
1990-2002 Obmann Florian Huber, Wieserab
2002 Obmann Dr. Josef Huber, Wieser
1981-1987 Kapellmeister Leonhard Weissteiner, Weber
1988-1991 Kapellmeister Fritz Arbter, Obervintl
1991-1998 KapellmeisterFlorian Leitner, Urthaler
1999-2001 KapellmeisterWolfgang Weissteiner, Felder
2001-2004 KapellmeisterFlorian Leitner, Urthaler

Bestehende Vereinsführung [Stand: April 2004]

Dr. Josef Huber Obmann
Florian Leitner Kapellmeister
Gerold Huber Obmann-Stellvertreter und Schriftführer
Thomas Weissteiner Kassier
Norbert Gasser Kapellmeister-Stellvertreter
Karin Mayr Jugendleiterin
Oskar Huber Ausschuss